globale in Lima
Die globale in Lima
Vom 6. - 27.5.2008 fand in der Hauptstadt Perus ein Nachspiel der globale statt. Organisiert hat das Festival Diana Sietz, die zur Zeit in Lima lebt und arbeitet. Hier ist ihr Bericht:
Wasserknappheit, die Verteilung von natürlichen Ressourcen und die Ausgrenzung lokaler Bevölkerungen sind an vielen Orten unterschiedlich ausgeprägt. Um einen gemeinsamen Austausch zu diesen Themen anzuregen, habe ich im Mai 2008 einen Zyklus mit sechs globale-Filmen im Cinematógrafo organisiert. Der Cinematógrafo ist ein Kino in Barranco, einem alten Stadtviertel Limas, das außergewöhnliche Dokumentarfilme, cineastische Besonderheiten und Retrospektiven zeigt. Es stellt eine herrliche Alternative zu den sonst verbreiteten Multiplex-Kinos der Stadt dar und feierte in diesem Jahr seinen 20ten Geburtstag. Da ich oft im Cinematógrafo bin, war der Kontakt zu Sonia Arispe und Mario Rivas, den beiden Besitzern, einfach hergestellt: Ich rief sie an, erzählte davon, dass ich die letzten beiden Jahre im globale Kollektiv in Berlin mitgearbeitet habe und von meiner Idee, einige Filme zu zeigen - sie waren begeistert. Die Filme nahmen sie dann sehr schnell ins Programm auf und es ging los. Ich war bei zwei Veranstaltungen dabei, auf denen ich die Filme eingeführt und die globale in Berlin vorgestellt habe. Konflikte im Spannungsfeld der Nutzung natürlicher Reichtümer wie Wasser, Böden und Mineralien haben sich in Peru wie in anderen Regionen auch verschärft und werden uns in Zukunft weiter dazu herausfordern, konkrete Entscheidungen aktiv mitzugestalten. Die globale-Filme haben hier einen kleinen Beitrag geleistet, Menschen aus verschiedenen Kulturen und Hintergründen zu einem gemeinsamen Nachdenken zusammenzuführen. Besonderst die originalsprachigen Filme kamen gut an.
Programm:
6.5.:
Apaga y Vámonos, Manuel Mayol, España, 2005
Compañeras, Grupo Alávio, Argentina, 2005
13.5:
Beatbox Colombia, Dirk Lienig, Alemania/Colombia, 2005
Maquilapolis: City of Factories, Sergio de la Torre + Vicky Funari
20.5.:
Romper el Cerco, Nicolás Défossé + Mario Viveros
27.5.:
Nuestro Petróleo y Otros Cuentos, Elisabetta Andreoli, Gabriele Muzio + Max Pugh, Venezuela, 2004
Ort der Begegnung
Nach den Filmen haben wir noch lange gesprochen. Eine Mischung aus Limeños, Einwohnern aus Lima, und Menschen aus verschiedenen Ländern war dabei, querbeet aus allen Altersschichten. Oft sind wir über die Filme auf die Gegenwart in Peru zusprechen gekommen. Zum Beispiel ist die Wasserproblematik gerade in Lima einheikles Thema. Da muss gar nicht erst der Klimawandel kommen und die Gletscherverschwinden. Es ist unglaublich, wie viel Wasser hier zum Gießen der Wüste verschwendet wird. Das restliche im Río Rimac, dem Flusse Limas, abfließende Rinnsal kommt als Müllkippe und mit ungeklärten Abwässern im Meer an. Gerade sind einige Gemeinden entlang Limas Küste im Protest gegen die Einleitung der ungeklärten Abwässer. Schon drei Monate campen sie an einer potentiellen Einleitungsstelle, weil sie nicht nur den Gestank, sondern auch die Verschmutzung des Meeres verhindern wollen. Mit einem kultur-politischen Kollektiv, das wir hier mit Freunden gegründet haben, unterstützen wir ihre Kontakte in die Verbraucherschutz-Zentrale und wollen mit ihnen das Problem mehr ins Licht der Öffentlichkeit rücken.
Auf dem EU-Lateinamerika Gipfeltreffen Mitte Mai in Lima wurde die Bildung eines Umweltministeriums verkündet. Zwar hat sich der neue Minister Antonio Brack die Wasserfrage auf die Fahne geschrieben, aber es bleibt abzuwarten, wieweit er damit kommt. Er war in den 70/80ern einer der unermüdlichen Umweltschützer, die sich für den Erhalt des Amazonas eingesetzt haben. Dann kam er immer mehr in die Nähe großer Minen-Firmen, war deren Gutachter und heute verkündet er, dass Aufforstungen mit Eukalyptus gut sind und vor allem die kleinen informellen Minen die Umwelt verschmutzen. Diese kleinen, informellen Minen tragen auch in erheblichen Maße zu Umweltproblemen bei. Jedoch schaffen die transnationalen, legal agierenden Minenunternehmen ebenfalls ernst zunehmende ökologische und soziale Probleme.
Meine Arbeit in den Anden
Mich hat eine Arbeit zur Anpassung der Landwirtschaft an Dürren, Fröste und Überschwemmungen am Internationalen Kartoffel-Zentrum nach Lima geführt.
Im Süden Perus arbeiten wir auf dem Altiplano mit Kleinbauern-Gemeinden, dieneben ihren Kartoffeln auch Bio-Quínua anbauen, die zum Teil nach Europa exportiert wird. Viele Bäuerinnen und Bauern beobachten Pflanzen, Tiere und Sternkonstellationen, um daraus eine Wettervorhersage abzuleiten. Ich nehme die lokalen Indikatoren auf und bin ganz beeindruckt, mit welcher Vielfalt und zum Teil auch Genauigkeit das funktioniert. Man beobachtet zum Beispiel die ersten3 Tage im August, die etwas über die Regenfälle zwischen Januar-März angeben. Ein Vogel, der Lequecho, legt seine Nester in höher gelegene Bereiche der Äcker, wenn das Jahr besonders nass wird, ansonsten unten in die Ackerfurchen hinein. Unglaublich, woher der das Monate vorher weiß.
Es macht großen Spaß, mit den Leuten zu reden. Oft erzähle ich von den wenigen Kartoffelsorten, die bei uns angebaut werden und sie lachen, weil sie mindestens 10mal so viele haben. In allen Farben, Größe und Formen. Prächtig und lecker, oft ganz mehlig und wenn man nicht zum richtigen Moment in den Topf guckt, sind sie schon fast zerfallen. Wenn ich den Altiplano allerdings so sehe, denke ich, dass die Landwirtschaft dort nicht sehr zukunftsträchtig ist. Die kalte, 4000 Meter hohe Ebene ist so karg, dass auch unter normalen Klimaverhältnissen nicht viel wächst. Wenn man hier 8-10 Tonnen Kartoffeln pro Hektar erntet, ist das schon gut. Der Quínoa-Anbau, wie er hier häufig propagiert wird, ist langfristig aber auch mit Risiken behaftet. Wenn Ecuador in den Markt einsteigt oder wir Europäer irgendwann mal billiger in China einkaufen, sitzen die Leute hier auf ihrer Quínoa. Dann es wird schwer werden, sie zu verkaufen. Wenn ich darüber mit den Leuten auf dem Land rede, wird mir oft bewusst, wie vielschichtig das Thema und wie weit entfernt die ländliche Bevölkerung vom Weltmarktgeschehen ist.
Viele Grüße und abrazito aus dem winterlich-nebligen Lima, Diana Sietz
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