visions of labor – ratschlag

19.06.2008 - 20:00
22.06.2008 - 22:30

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traditionelle gewerkschaftliche Strategien sind angesichts der neuen globalen Ökonomie in der Krise. Doch es gibt zukunftsweisende Ansätze für eine erfolgreiche Gewerkschaftsarbeit. Das Projekt "Visions Of Labor" (http://visions-of-labor.org) stellt solche Beispiele aus allen Kontinenten auf seiner Website vor und lädt im Juni 2008 zu einem Ratschlag nach Berlin. Im weiteren Verlauf des Projektes werden eine interaktive DVD und ein Dokumentarfilm zum Thema entstehen.

Gewerkschaftliche AktivistInnen aus Asien, Südamerika und Europa stellen ihre aktuellen Projekte vor. Im Zentrum der Workshops, Diskussionsveranstaltungen und Filmvorführungen steht die Frage, wie unter den Bedingungen des 21. Jahrhunderts erfolgreich Solidarität und Gegenwehr organisiert werden kann. Themen (u.a.): die Übernahme des Reifenwerks Euzkadi als Kooperative (Mexiko), Organizing in der BRD, Labor News Production (Südkorea), Ansätze globaler branchenweiter Organisierung (T&G, England), Globalization Monitor China, Transnational Information Exchange (t.i.e.), Stadtteilarbeit der Gewerkschaft SUD (Frankreich), das Projekt Forum Arbeitswelten (China, BRD), LabourNet Germany und Chefduzen (BRD), Sinaltrainal und die Coca-Cola Boykott Kampagne (Kolumbien).

Die Website http://visions-of-labor.org

Visions Of Labor stellt internationale best-practice Beispiele für neuartige und erfolgreiche Gewerkschaftsarbeit vor. Dabei geht es vor allem um selbstorganisierte und internationalistische Ansätze, die beispielhaft sind im Angesicht eines globalisierten Kapitalismus. Die Website mit Texten, Videos und Links dokumentiert die Rechercheergebnisse. Das veröffentlichte Material ist teilweise gesammelt, teilweise selbst produziert. Die Arbeit soll zu einer realen Vernetzung internationaler Projekt beitragen.

Für weitere Informationen stehen wir gerne zur Verfügung:

visions@visions-of-labor.org
Oliver Lerone Schultz (laborB*) 0176 - 6323 5749
Bärbel Schönafinger (kanalB) 0163 - 2876 749

Visions of Labor wird gefördert von der Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt

Adressen zum Ratschlag:
Haus der Demokratie und Menschenrechte
Greifswalder Strasse 4
10405 Berlin
www.hausderdemokratie.de

Lichtblick-Kino
Kastanienallee 77
Berlin 10435 Berlin
www.lichtblick-kino.org

    • PROGRAMM RATSCHLAG "VISION OF LABOR"**
  • Workshops*

Mayday
Freitag, 20.Juni 10:00 Uhr
Die MayDay-Bewegung, die 2001 von italienischen, spanischen und französischen AktivistInnen ausging, will eine Neu-Belebung des 1. Mai als symbolischem Tag für Lohnabhängige und Ausgebeutete erreichen. Die InitiatorInnen wollen "den verschiedenartigsten Formen von Prekarisierung in Arbeit und Leben, die durch die klassischen Institutionen der Arbeiterbewegung und der Linken nicht (mehr) organisiert werden können, einen Ausdruck geben." Er sieht sich in einem symbolischen und konstruktiven Spannungsverhältnis zum "offiziellen" 1. Mai. Aktive aus Hamburg, Berlin und Mailand (angefragt) berichten über die Dimensionen des Projektes.

Transnational Information Exchange (t.i.e.) Freitag, 20.Juni 11:45 Uhr
t.i.e. ist ein in den 70er Jahren entstandenes basisgewerkschaftliches Netzwerk mit Verbindungen in Betriebe. Angeschlossen sind Dutzende Arbeitsgruppen, die Informationen über transnationale Unternehmen austauschen. Vorgestellt wird das Projekt von t.i.e. europe, das westafrikanische Eisenbahner in ihrem Kampf gegen die Privatisierung der Bahnlinie Dakar-Bamako unterstützt. Die bei der Bahn Beschäftigten, die an der Bahnlinie lebende Bevölkerung und die NutzerInnen der Bahn haben sich zusammengeschlossen, um die Privatisierung rückgängig zu machen. t.i.e. versucht diese Bewegungen zu unterstützen, bekanntzumachen und vor allem auch die Bahngewerkschaften in Europa für eine Solidarisierung und direkte Unterstützungsaktionen zu gewinnen.

Labournet Germany + ChefDuzen
Freitag, 20.Juni 14:15 Uhr
Aus der internationalen Labournet-Bewegung ist in der BRD ein besonders aktiver Spross hervorgegangen. Das Labournet Germany ist die unabhängige und engagierte Informationsquelle für alle Dinge rund um Betrieb, Gewerkschaft, Prekarität, Lohnabhängigkeit und ihre gesellschaftlichen Aspekte. Mag Wompel stellt das Projekt zusammen mit der Initiative "Chef Duzen" vor, ein "Forum der Ausgebeuteten", das ebenfalls die neuen Möglichkeiten des Netzes nutzt.

Labor News Production (Südkorea)
Freitag, 20.Juni 16:30 Uhr
Seit 20 Jahren arbeitet LNP an einer medialen Begleitung von gewerkschaftsrelevanten Themen und produziert Filme für die Gewerkschaftsbewegung. Video-Produktion und Medien-Vermittlung wurden hier so früh wie kaum woanders systematisiert. Die Arbeit von LNP steht im fruchtbaren Zusammenhang mit einer Reihe anderer Strukturen und Projekte in Südkorea im Bereich »labor media culture« wie MediaAct, labor film festival oder Migrant Workers Television (MWTV). Lee Jiyoung von LNP stellt die Arbeit vor.

Globalization Monitor China
Samstag, 21.Juni 10:00 Uhr
Globalization Monitor ist eine NGO mit Sitz in Hong Kong, die im Zuge der globalisierungkritischen Proteste in Seattle 1999 entstanden ist. GM stellt eine systematische Solidaritätsarbeit für ArbeiterInnen in einen umfassenderen gesellschaftlichen Kontext. Beispielhaft ist u.a. die Unterstützungskampagne für die Arbeiterinnen von Golden Peak, einem Batterieproduzenten für den internationalen Markt. May Wong wird aus ihrer langjährigen Tätigkeit heraus die Arbeit von GM im Kontext der Situation für ArbeiterInnen in China vorstellen.

Forum Arbeitswelten China und Deutschland Samstag, 21.Juni 12:15 Uhr
Im Anschluss an die Präsentation von Globalization Monitor werden Peter Franke (Asienhaus) und andere Aktive vom -- in Gründung befindlichen -- "Forum Arbeitswelten" das Projekt vorstellen. Der Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie eine über gelegentliche Besuche hinausgehende Zusammenarbeit zwischen gewerkschaftlich und sozial Aktiven in der BRD und China gestaltet werden kann. "Two Way Exchange" und Kontinuität als Angebot an alle Interessierten.

Euzkadi--El Salto, SNRTE + Tradoc
Samstag, 21.Juni 14:15 Uhr
"Internationale Solidarität ist eine Sache der Vergangenheit" hieß es einst vom Betriebsrat-Vorsitzenden bei Continental -- doch die kämpfende Belegschaft und die mexikanische Gewerkschaft SNRTE zeigten, wie auch in transnationalen Konzernen wie der Deutschen Continental Solidarität hergestellt werden kann. Der jahrelange Streik mündete 2005 in die Gründung einer Kooperative: »Tradoc« will die Solidarität am Leben halten, während aktuell die Kollegen aus dem Werk in Portosí weiter gegen Kostensenkungsprogramme kämpfen müssen. Gespräch über Erfahrungen, Ansätze und Perspektiven mit einem Kollegen von Tradoc.

Sinaltrainal -- die Coca-Cola Boykott Kampagne Samstag, 21.Juni 16:30 Uhr
Im September 2007 hat die kolumbianische Lebensmittelgewerkschaft SINALTRAINAL ihre internationale Kampagne gegen Coca-Cola wieder aufgenommen. Vorausgegangen sind sieben Morde an gewerkschaftlich aktiven Coca-Cola Arbeitern, Morddrohungen und Entführungen durch paramilitärische Einheiten. Sinaltrainal fordert (bisher vergebens) Coca-Cola auf, seiner Verantwortung gerecht zu werden und sich für das Leben der Gewerkschafter einzusetzen. Carlos Olaya informiert über den Stand der Kampagne und die Überlebensstrategien seiner Gewerkschaft.

Globale branchenweite Organisierung -- T&G (England) Sonntag, 22.Juni 10:00 Uhr
Nach einer grundlegenden strategischen Neuausrichtung geht die britische Gewerkschaft T&G neue Wege. Sie versucht, die Beschäftigten an der Basis transnational zu organisieren. Ziel der Organizing Abteilung von T&G ist die weltweite Koordination der "Sprecher am Arbeitsplatz" innerhalb ein und derselben Branche. Nach diesem Muster versucht T&G derzeit, die globale Fleischindustrie zu organisieren. Andy Snoddy, Organizer von T&G, berichtet.

Organizing in der BRD
Sonntag, 22.Juni 12:15 Uhr
"Organizing" ist für viele GewerkschafterInnen das Zauberwort gegen Mitgliederschwund. Wir werten zusammen mit Organizern und Beschäftigten Projekte aus, die in der BRD durchgeführt wurden und werden. Konnten Verbesserungen für die Beschäftigten erzielt und dauerhafte Strukturen der Selbstorganisation aufgebaut werden? Wir diskutieren "Organizing" im Spannungsfeld zwischen Selbstorganisation und Instrumentalisierung für gewerkschaftliche Mitgliedergewinnung.

Fabienne gesucht
Sonntag, 22.Juni 14:45 Uhr
Fabienne Brutus hat als Angestellte der französischen Arbeitsagentur (ANPE) öffentlich gemacht, wie herabwürdigend die Behörde ihre "Kunden", die Erwerbslosen, behandelt. Sie und weitere KollegInnen haben sich entschieden Widerstand zu leisten: "Wir, die Beschäftigten der ANPE, erklären, dass wir auf keine Weise Menschen schaden wollen, die schon durch den Verlust der Beschäftigung und des Einkommens verletzt sind." Jetzt sucht das Sozialforum Gera eine deutsche Fabienne.

Die Stadtteilarbeit der französischen Gewerkschaft SUD Sonntag, 22.Juni 17:00 Uhr
SUD-Education organisiert nicht nur die Lehrer, sondern alle, die in einer Schule angestellt sind, vom Hausmeister bis zur Direktorin. Aus dieser Haltung heraus engagiert sich SUD-Education zusammen mit Nachbarn, Lehrern, Schülern und Eltern auch für die "Kinder ohne Papiere", die durch Razzien der französischen Polizei auf dem Schulgelände verfolgt werden. Nicola Anderson von SUD-Education aus Avignon berichtet über ihre Gewerkschaftsarbeit, die weit über die Interessensvertretung einzelner Beschäftigtengruppen hinaus in die Gesellschaft hineinreicht.

Konferenzergebnisse zusammentragen
Sonntag, Juni 19:30 Uhr
Am Ende der Konferenz werden die Ergebnisse zusammengetragen. In diesem Workshop soll ein Papier entstehen, das in mehrere Sprachen übersetzt und allen Gästen zur Verfügung gestellt wird. Damit hat die Konferenz ein Ergebnis, das mit Händen zu greifen ist.

  • Diskussionsveranstaltungen*

To be seen... -- wie sieht (man) »global labor« unter den Bedingungen der »Globalisierung«?
Freitag, 20.Juni 19:00 Uhr
Politik und (Selbst-)Organisation ist immer auch eine Frage der eigenen Sichtbarkeiten. Wie sichtbar ist die eigene Realität für die Öffentlichkeiten, die man erreichen will? Wie orientiert man sich in der eigenen Arbeit anhand dessen, was man sieht? Diese Fragen gehörten schon immer zu zentralen Fragen einer Kultur der ArbeiterInnenbewegung. Sie sind im Zusammenhang mit weltweiten Produktions- und Ausbeutungsketten, der fraktalen Fabrik und einer weltweiten Medienkultur noch bedeutsamer geworden. Diskutiert werden Traditionen, Aufgaben und Ansätze einer Politik der Sichtbarkeit von/für global labor. Neben Labor News Production diskutieren andere Aktivistinnen aus dem Bereich aktiver und engagierter Bildproduktion. (Mit Lee Jiyoung, Labour News Production, Korea – Daniel Kremers, Filmemacher, Leipzig – Sun-ju Choi, Filmemacherin/Aktivistin/Kuratorin, Berlin – Frank John, MayDay/Hamburg)

Was machen wir? Was wollen wir? Was brauchen wir? Samstag, 21.Juni 19:00 Uhr
Die kolumbianische Gewerkschaft SINALTRAINAL, Globalisation Monitor aus Hong Kong und die Arbeiter von Continental in Mexiko haben es geschafft, beachtliche internationale Solidarität für ihre Kämpfe gegen respektive Coca Cola, Golden Peak und Continental zu organisieren. Wir wollen anhand dieser Beispiele darüber diskutieren, wie in Zeiten einer schwachen internationalen Gewerkschaftsbewegung internationale Solidarität mit den Kämpfen von Lohnabhängigen hergestellt wird. Wie können Kampagnen wie die vorgestellten noch besser und vielleicht sogar systematisch unterstützt werden? (Mit Carlos Olaya von Sinaltrainal, May Wong von Globalisation Monitor, und einem Kollegen von der Kooperative Tradoc)

  • Foyer*

"Le Grand Magasin", Projektpräsentation von Andreas Wegner "Le Grand Magasin" ist ein Kaufhaus, in dem aussschließlich Produkte verkauft werden, die in Produktivgenossenschaften hergestellt wurden. Es wird im Herbst 2008 als temporäres Kunstprojekt in Neukölln eröffnet.

  • Film Screenings*

Donnerstag, 19.Juni 20:00 Uhr (Lichtblick Kino) »David gegen Goliath« (BRD 2004, 30min) + »Wenn die Räder wieder rollen« (BRD 2008, 30min) - Euzkadi, Continental, Tradoc: Vom Streik in einem transnationalen Konzern bis zur eigenen Kooperative. Eine filmische Dokumentation über mehrere Jahre von Michael Enger, Hamburg.

Sonntag, 22.Juni 20:30 Uhr (Haus der Demokratie) Corazón de Fabricá (Molina y Ardito, Argentinien 2008, span. m engl. UT, Kurzversion) Sehenswerter FIlm über die Geschichte der Fabrikkooperative Zanon und ihren Kampf um ein solidarisches Modell des Produzierens. Der Film wurde von der Vollversammlung des Kollektivs als "Werkzeug im Kampf zur Verteidigung der Arbeiterselbstverwaltung" ausgewählt. Aktueller Hintergrund: Der Kampf der ArbeiterInnen von Zanon wird im Oktober in eine entscheidende Runde gehen...
trailer >> http://de.youtube.com/watch?v=1KbPjaUoB0o

  • Musike*

Samstag. 21.Juni 22 Uhr -- Beatz für Bewusstsein

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